Einer der größten Akteure der Esports-Branche, die ESL FACEIT Group (EFG), hat seine Finanzergebnisse für 2024 veröffentlicht – und sie zeichnen ein paradoxes Bild: starkes Umsatzwachstum, aber dennoch tiefe Verluste. Trotzdem hat das Unternehmen bereits ein ehrgeiziges Ziel formuliert – nach umfangreichen Umstrukturierungsmaßnahmen bis 2026 profitabel zu sein.
Der Umsatz wächst – aber nicht genug
Im Jahr 2024 meldete das in London ansässige Unternehmen ESL FACEIT Group Limited fast das Doppelte des Umsatzes und erreichte 27,8 Millionen Pfund (gegenüber 14,5 Millionen Pfund im Jahr 2023). Die wichtigsten Einkommensquellen waren:
- Beiträge — 11,1 Mio. Pfund
- Intergroup-Provision und Unterstützungsleistungen — 11,0 Mio. Pfund
- Werbung und Sponsoring – 5,1 Mio. Pfund
- Sonstige Einnahmen — 0,5 Mio. Pfund
Bemerkenswert ist, dass der starke Anstieg des intergroup-Umsatzes (von 1,1 Mio. Pfund auf 11,0 Mio. Pfund) einen strukturellen Wandel widerspiegelt – das britische Unternehmen fungiert zunehmend als zentraler Knotenpunkt für die gesamte Gruppe.
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60 Millionen Pfund Verlust: Was ist schiefgelaufen?

Trotz starker Umsatzsteigerungen verzeichnete das Unternehmen einen Nettoverlust von 60 Millionen Pfund. Die wichtigsten Gründe sind:
- Hohe Betriebskosten
- Verwaltungskosten beliefen sich auf 43,6 Millionen Pfund
- Steigende Kosten der Dienstleistungen (die Bruttomarge sank von 51 % auf 31 %)
- Eine Wertungsgebühr von 31,5 Millionen Pfund (Vermögensaufwertung)
Der Betriebsverlust belief sich auf 26,1 Millionen Pfund, was zeigt, dass das Geschäft noch weit von einer Nullphase entfernt ist.
Umstrukturierung und die neue Rolle des Vereinigten Königreichs
Ein wichtiger Trend ist die Umstrukturierung der Gruppe nach der Übernahme durch Savvy Games Group im Jahr 2022 (ein Deal im Wert von 1,5 Milliarden US-Dollar). EFG zentralisiert die Aktivitäten über ihre britische Gesellschaft, die jetzt:
- Unterzeichnet Verträge im Namen der gesamten Gruppe
- Koordiniert Finanzströme
- Fungiert als Management- und Betriebszentrum
Dies wird durch den Anstieg der Forderungen auf 87,4 Millionen Pfund (gegenüber 19,2 Millionen Pfund) sowie eine erhöhte interne Finanzaktivität unterstützt.
EFGs Skalierung: von Turnieren bis zu Analytics
EFG bleibt ein Kernpfeiler des Esports-Ökosystems:
- ESL — Turnierorganisator (einschließlich der Esports-Weltmeisterschaft)
- DreamHack — Festivals und Live-Events
- FACEIT — wettbewerbsfähige Plattform
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Das Unternehmen expandiert zudem aktiv durch Übernahmen:
- Vindex (Technologie & Infrastruktur)
- Esports Engine (Produktion)
- Gamers Net Inc. (Mobalytics — Performance-Analyseplattform)
Auswirkungen 2025: Entlassungen und Konsolidierung
Der finanzielle Druck hat bereits zu bedeutenden Veränderungen geführt:
- Büroschließungen (z. B. Esports Engine in Kalifornien)
- Großflächige Entlassungen (200–300 Mitarbeiter)
- Führungskonsolidierung — Niccolò Maisto wurde alleiniger Geschäftsführer
- Vollständige Übernahme der ESL Gaming GmbH für 558,6 Millionen Pfund
Diese Maßnahmen sind Teil der Strategie der Savvy Games Group, EFG bis 2026 in Richtung Rentabilität zu führen.
Ausblick: 2026 als Wendepunkt
Das Unternehmen beschreibt 2025 als eine „Wiederaufbauphase“, wobei 2026 voraussichtlich die „Beschleunigungsphase“ wird. Wichtige Prioritäten sind:
- Tiefere Integration zwischen FACEIT und Offline-Events
- Expansion von DreamHack in neue Regionen
- Datengetriebene Partnerschaften mit Marken
EFG will nicht nur profitabel werden, sondern auch den Standard für das Esports-Ökosystem setzen – indem Turniere, Plattformen und Communities kombiniert werden.
EFGs nächstes Kapitel
Die Finanzzahlen der ESL FACEIT Group für 2024 heben ein zentrales Problem in der Esports-Branche hervor – Größe garantiert keine Rentabilität. Das Unternehmen wächst, restrukturiert und zentralisiert sich, aber diese Transformation bringt erhebliche Kosten mit sich. 2026 wird eine entscheidende Prüfung sein: Kann die größte Esports-Organisation der Welt ihre Größe in ein nachhaltiges Unternehmen umwandeln?

